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Unsere Kandidaten für die Fachgruppe berufliche Schulen/berufliche Gymnasien:

Kandidaten


Die LVBS - Kolumne: Zum TSNP

dirkbaumbach2019

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Zum TEILSCHULNETZPLAN

https://www.berufsschulzukunft.sachsen.de

Der TEILSCHULNETZPLAN ist beschlossen und wird nunmehr mit dem Beginn des Sj 2021/22 in Umsetzung gelangen. Einvernehmen mit allen 13 Gebietskörperschaften herzustellen, war das Ziel. Stattdessen ist das Ergebnis weniger einstimmig ausgefallen. Drei Schulträger haben nur unter Maßgaben zugestimmt. Zwei Schulträger das Einvernehmen gar verweigert. Beides wird aber das Kultusministerium nicht interessieren und nach Prüfung der Argumente setzt man sich darüber hinweg – so viel wurde schon kommuniziert. Die gesetzliche Basis liefert – wie immer - das Sächsische Schulgesetz. Mit der „demokratischen Brechstange“ den Prozess dennoch umzusetzen, erscheint mir in dieser Zeit wenig geschickt. Gegründet auf die Forderung, eine ausgeglichene Entwicklung des städtischen und ländlichen Raumes zu ermöglichen, wird nach einem für alle zehrenden Corona-Schuljahr durch Wanderungsbewegungen von Auszubildenden und Lehrkräften inkl. Labor und Werkstätten die Landschaft der berufsbildenden Schulen neu modelliert. Von 61 BSZ werden 60 zu Beruflichen Kompetenzzentren weiterentwickelt. Was den fast vollständigen Erhalt der BSZ im Freistaat angeht, vielleicht ein kleiner positiver Aspekt. Allerdings wird die inhaltliche Neuausrichtung so manches Schulcampus verschleiert. Die Überlegung, welche personellen Ressourcen die neu eingerichteten Berufe in ihrer Komplexität der Lernfelder umzusetzen haben, bleibt im Dunkeln. Spezialisten setzt man nicht unter zeitlichen Druck, schon gar nicht unfreiwillig und ohne Zustimmung an neue Standorte. Aber genau der Druck wird mit der nun angedachten Zeitschiene eröffnet. Eine Zeitschiene, die sechs Wochen vor dem Schuljahresende, platziert in die Prüfungszeit und noch dazu Ungewissheit in den künftigen Arbeitsstandort generiert, zeugt nicht von Gespür für die Situationen an den Schulen. Sollen die Kolleginnen und Kollegen eine Planung für die Umsetzung der Ausbildungen zwischen abgebenden und aufnehmenden BSZ schultern und nebenbei Personalgespräche um ihre eigene berufliche Zukunft führen? Die Belastungen durch die Corona-Situation in den vergangenen Monaten und die zu erwartenden Defizite fallen nun gänzlich unter den Tisch. Von der Belastung für die planenden Schulleitungen mal ganz zu schweigen. Das SMK hat das Problem TEILSCHULNETZPLAN finalisiert, somit ist es seiner gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen. Legt man aber das Ohr an die Türen der Lehrerzimmern: der Frust ist laut und deutlich wahrnehmbar und überträgt sich auf das schulische Leben vor Ort und von dort über die Auszubildenden in die Betriebe und die Gesellschaft. Was hat eigentlich gegen eine Verschiebung der Umsetzung gesprochen? Auch bei einer positiven Verabschiedung des TEILSCHULNETZPLAN wäre eine zeitliche Aussetzung in das Schuljahr 2022/23 denkbar gewesen. Der LVBS hat dies nachdrücklich und sichtbar in vielen Gesprächsrunden gefordert. In dem Zusammenhang mag der vom Ministerium formulierte „breit angelegte Dialogprozess mit einem intensiv geführten Meinungsaustauch“ vertane Lebensarbeitszeit zumindest für uns gewesen sein, da unsere Argumente in der Bedeutungslosigkeit verschwanden. Nun haben sich der Landkreis Mittelsachsen und der Landkreis Bautzen, beide CDU regiert, bei ihrem Votum gegen das CDU regierte Kultusministerium gestellt und ihr Einvernehmen verweigert. Liest man die Gründe im Detail in den Abstimmungsprotokollen nach, so kann man den Argumenten folgen. Werden die zwei Schulträger nun Klageverfahren anstreben, um ihre Ziele zu verwirklichen? Und was passiert unterdessen im schulischen Alltag in den Kollegien? Fakt ist, es wird an den betroffenen BSZ erhebliche Fluktuation unter den Lehrkräften geben. Kollegien werden völlig neu zusammengesetzt, vergleichbar wie bei einer Schulneugründung - mit allen damit einhergehenden Einarbeitungsprozessen. Da wo Menschen miteinander agieren, wird es zwangsläufig Reibung geben. So manchem ist dies aus der Vergangenheit aus dem Erlebten bei Schulzusammenlegungen wohl im Gedächtnis. Das es da ohne Auswirkungen auf die Qualität von Ausbildung abgeht, ist schlichtweg falsch.

Es ist nicht egal, an welcher Schule der Schrank des Lehrers steht. Unverständnis der Prozesse in der beruflichen Bildung, bei denen langjährig aufgebaute Netzwerke mit den Ausbildungseinrichtungen- und Praktikumsbetrieben und erworbene individuelle und spezialisierte Fachkompetenzen der Lehrkräfte ein essentielles Instrumentarium bilden, führen zu noch nicht abschätzbaren Folgen. Traditionen und Vernetzungen, die Jahrzehnte gewachsen sind, werden verschwinden. Sie neu zu beleben, gleicht einem enormen Aufwand, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob dazu die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen erneut vorhanden sein wird.

Bei alldem blieb bisher der Lehrerhauptpersonalrat ohne Mitspracherecht. LaSuB und Schulleitungen agieren seit Monaten unter dem Vorbehalt der angekündigten Standortfestlegungen und die Personalvertretung an den Schulen blieben bisher nur hilfloser Zaungast.  

Die politische Entscheidung, die Umsetzung des Teilschulnetzplanes in den Vordergrund des beginnenden Schuljahres zu setzen, ohne sich der Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen sicher zu sein, erhält den bitteren Beigeschmack einer Medizin, deren Wirksamkeit die Reformen durch die Angabe der Nebenwirkungen ad absurdum führen.  Da kann die angekündigte Abschaffung der Fachklassenliste lediglich als Legitimationskrücke dienen.

„Stärkung der Landkreise“: diesen Aspekt in 5 Jahren zu betrachten und dann zu schauen, wohin der TEILSCHULNETZPLAN diesbezüglich geführt haben wird, wird mancher Lehrkraft durch vorzeitigen Renteneintritt erspart bleiben. Allen anderen wünsche ich Durchhaltevermögen, den Optimismus eines „halb vollen Glases“, im Interesse derer, für die wir täglich uns neu erfinden – unseren Schülerinnen und Schülern.

Herzlichst

Dirk Baumbach

1. Vorsitzender