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Zum Rücktritt unserer Kultusministerin Frau Brunhilde Kurth

Manche haben über sie geschimpft, Andere haben sie belächelt, einige schlichtweg nicht verstanden. Zu den Letzteren zähle ich mich. Mit Frau Kurth geht eine absolute Fachfrau des sächsischen Bildungswesens: Lehrerin, Schulleiterin, Leiterin der Bildungsagentur und Kultusministerin. Kaum jemand kannte „den Laden“ so gut wie sie.  Umso erstaunlicher stellte sich für mich der Schritt vor 5 1/2 Jahren dar, den Staffelstab von Kultusminister Wöller zu übernehmen. Hatte er doch ungewöhnlich offen die Gründe seines Rückstritts benannt! Es handelte sich kurz gesagt um mangelndes  Interesse, grob fahrlässige Leugnung der tatsächlichen Situation und damit mangelnde Unterstützung durch die Staatsregierung. Herrn Unland interessierten nicht die sicherlich mehrfach kompetent und fundiert vorgetragenen Gründe für die Notwendigkeit, schnellstens deutlich mehr Geld in die Hand nehmen zu müssen. Geld, um Sachsens Bildungslandschaft wenigstens mit einer unsanften Landung vor dem Absturz zu bewahren. Und unserem Ministerpräsidenten und ehemaligen Finanzminister Tillich scherte die Einschätzungen der Fachminister wenig. Zu keinem Zeitpunkt erkannte er die Brisanz der Situation und hielt es für angezeigt seinen Finanzminister anzuweisen, die notwendigen Gelder bereit zu stellen. Glaubte sie wirklich daran etwas ändern zu können? Der Wille war ganz sicher da.
Wie ein Befreiungsschlag wirkt auf mich die, nur wenige Stunden nach dem Rücktritt in einem Interview von Frau Kurth abgegebene Feststellung, dass die Nettoeinkommen sächsischer Lehrer mit denen anderer Bundesländer vergleichbar werden müssen. Folgendes fiel mir in diesem Zusammenhang wieder ein:
Vor ungefähr einem Jahr saß ich an einem Abend mit Dirk Baumbach und Jürgen Fischer im Landtagsbüro des sächsischen Fraktionsvorsitzenden der CDU (Frank Kupfer). Wir wollten ihm und dem Vorsitzenden des Fraktionsausschusses Schule und Sport (Lothar Bienst) in aller Deutlichkeit die inzwischen unlösbaren Probleme sächsischer Berufsschullehrer näher bringen.  Das Überraschendste für mich: Herr Bienst durchstöberte ungläubig die von uns erstellte und ebenfalls schriftlich übergebene Übersicht zu Nettolohndifferenzen verschiedener Gehaltsstufen sächsischer Berufsschullehrer im Vergleich zu verbeamteten Kollegen. Auch die dort nachgewiesene, ebenfalls riesige Differenz zwischen Rente und Pension kommentierte er mit ungläubigen Blicken. Sollte vor dem LVBS noch niemand auf die Idee gekommen sein die tatsächlichen Zahlen einfach einmal tabellarisch aufzustellen? Es scheint fast so. 
Nun bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen endlich wach werden. Sicherlich sind unsere Nettolöhne nicht das alleinige Problem. Alle anderen hängen aber dicht damit zusammen.
Oliver Bergner