Bildungspolitik

Inklusion - Integration

 

SMK bildet Expertengremium - LVBS beteiligt sich 

2007 ratifizierte der deutsche Bundestag die von den Vereinten Nationen erarbeitete Behindertenrechtskonvention. Die Unterzeichner haben sich damit verpflichtet ein „…inclusive education system…“ein inclusives Bildungssystem in ihrem Land zu installieren. Die Übersetzer machten allerdings die „inclusion“ zur „Integration“. Trotz der Bemühungen einiger Organisationen und Interessenvertreter diese und andere Fehler aus dem deutschsprachigen Dokument zu verbannen, haben unsere Bundespolitiker dieser Konvention arglos zugestimmt in dem Glauben, hier die Nase ganz vorn zu haben. Schließlich werden in Deutschland Menschen mit Behinderung recht gut integriert. Nun gilt aber das Originaldokument – in englischer Sprache verfasst.

In der Pädagogik bedeutet Inklusion, dass alle Schüler - Begabte, Minderbegabte und Behinderte - mit ihrem unterschiedlicheninklusion Leistungsvermögen gemeinsam in einer Atmosphäre lernen, in der sie sich wohl fühlen und in der individuelle Förderung der Normalfall ist. Dabei soll das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung Normalität werden oder sein. Integration meint dagegen „nur“ die Einbeziehung von Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ausgeschlossen sind. Die Illustration verdeutlicht den Unterschied von Integration und Inklusion (Quelle: wikipedia).

Im Juni 2011 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO einen ersten „World report on disability“. Die Zahl der Menschen mit Behinderung wird hier auf  über 1 Milliarde definiert und geschätzt. Ein Paukenschlag - handelt es sich doch nun nicht mehr um eine Randgruppe! Außerdem werden nachhaltige Konzepte, vor allem im Bereich der Bildung gefordert.

Kritiker des deutschen Weges fühlen sich nun bestätigt, dass das Sortieren der Schüler nach ihren Fähigkeiten oder Einschränkungen, mit der Konsequenz des Lernens an Förderschulen zuallererst als Exklusion zu betrachten ist. Die Bildungschancen der Behinderten würden dadurch zwar anscheinend verbessert, langfristig jedoch, wirke sich dieser Weg eher nachteilig aus. Explizit genannt wird oft der Übergang ins Berufsleben, der vielen nicht oder mit unbefriedigendem Ergebnis gelingt.

Im August 2011 erschien der vom deutschen Bundestag verabschiedete „Erste Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über Rechte von Menschen mit Behinderungen“. Hier ist in Artikel 24 „Bildung“ unter anderem vermerkt:

-          „`…Bildung ist Sache der Länder, die vielfältige Organisationsformen und Vorgehensweisen in der pädagogischen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen wählen. Die Bundesregierung setzt sich jedoch dafür ein, dass inklusives Lernen in Deutschland eine Selbstverständlichkeit wird...“

-          „… Die „Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur sonderpädagogischen Förderung in den Schulen in der Bundesrepublik Deutschland“ aus dem Jahr 1994 werden derzeit überarbeitet und bilden die Grundlagen für die Entwicklungen auf Länderebene im Bereich der sonderpädagogischen Förderung. Zentrales Anliegen dieses Artikels ist die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in das gemeinsame Lernen in der allgemeinen Schule…“

Auf das Ergebnis kann man gespannt sein. Stoßen doch hier unterschiedlichste Interessenlagen direkt aufeinander.

Das derzeit unter Federführung des SMK arbeitende Expertengremium versucht die Interessen von Wirtschaft, Kammern, Lehrerverbänden, Landeselternrat, Landesschülerrat, Behindertenverbänden, Universitäten und Ministerien zu bündeln und Wege zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention in Sachsen zu finden.

Die Unterarbeitsgruppen befassen sich mit folgenden Themen:

                                                              1 Bestmögliche Förderung für jedes Kind

                                                              2 Stärkung der Rechte von Eltern und Kindern

                                                              3 Schaffung von Barrierefreiheit in den Schulen

                                                              4 Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften

In den o. g. Arbeitsgruppen sind derzeit keine Mitarbeiter von Ministerien bzw. sonstige Entscheidungsträger von Finanz-, Wissenschafts-, oder Schulaufsicht involviert. Das ist insofern interessant, als dass diese doch die Ergebnisse über Gesetze, Verordnungen und die Bereitstellung der finanziellen Mittel umsetzen müssten. Man darf gespannt sein, ob unter diesen Umständen die Wünsche und Druckpunkte beider Seiten zusammenfinden werden.

Derzeit arbeitet Herr Oliver Bergner für den LVBS im Unterausschuss 4 Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Meinungen, Hinweise, Anfragen oder Diskussionsbeiträge zum Thema Inklusion in Sachsen richten Vereinsmitglieder bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Bildquellennachweis: (http://de.wikipedia.org/wiki/Inklusion). 

(OB)