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Bildungspolitik

Thesenpapier des LVBS zum Amtsantritt SM Piwarz

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

sehr geehrter Herr Piwarz,

der LVBS Sachsen – Der Berufsschullehrerverband - gratuliert Ihnen zu Ihrem neuen Tätigkeitsfeld, wünscht Ihnen Erfolg und hegt mit Ihrem Antritt die Hoffnung, dass die Sorgen und Nöte in den berufsbildenden Schulen wahrgenommen und endlich lösungsorientiert gemeistert werden. Im Moment werden die anderen Schularten und deren Probleme medienwirksam kommuniziert. Die Kolleginnen und Kollegen an den berufsbildenden Schulen sind Pragmatiker und geraten daher sehr oft nicht in den Focus der Öffentlichkeit. Diverse Schwierigkeiten werden von ihnen im Interesse der anvertrauten Auszubildenden so gestaltet, dass nach außen der Eindruck entsteht, es funktioniert. Als Berufsschullehrerverband und Interessenvertreter von 4000 Kolleginnen und Kollegen an den BSZ kennen wir die Details und uns erscheint es wichtig, diese zu benennen, gerne auch in Gesprächen zu diskutieren und unsere Bereitschaft der Mitgestaltung anzubieten.

 

Die im Moment dringlichsten vier Themen der beruflichen Bildung sind im Nachfolgenden benannt und sollten schnellstens Berücksichtigung und Eingang finden:

  1. Die Belastung der im System befindlichen Lehrer muss endlich auf ein Normalmaß zurückgefahren werden. Unsere Kolleginnen und Kollegen baden die Arbeitskräftemisere aus, für die sie nicht verantwortlich sind, so als wenn sie vorher nicht ausgelastet gewesen wären. Der Lehrerberuf funktioniert nur, wenn eine Atmosphäre herrscht, die Freiräume für kreative Entfaltung ermöglicht, anstatt von Unterrichtsstunde zu Unterrichtsstunde gehetzt zu werden. Ständige Überlastung, Dynamik im Unterrichtsprozess der Lehrinhalte und kleinliche Abrechnungsmodalitäten, um noch mehr Unterrichtsstunden zu generieren und Kosten zu sparen, können keine Lösung sein, sondern verschärfen die Situation und führen zu Langzeitausfällen. Kontinuität, Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit sowie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verständnis des Arbeitgebers müssen in den Schulen Einzug halten, damit Vertrauen entwickelt und Freude an einem attraktiven Beruf erzeugt werden.

 

  1. Die unvermeidbare Einstellung von Seiten- bzw. Quereinsteigern muss finanziell, personell und zeitlich besser abgesichert werden.

Die Ausbildung von Seiteneinsteigern muss der eines grundständig ausgebildeten Lehrers entsprechen und darf keine kurzfristige „Schnellbesohlung“ darstellen.

Seiteneinsteiger werden parallel zur Arbeit als Lehrer ausgebildet (meist in Teilzeit). Hier erwarten wir, dass für jeden Seiteneinsteiger ein wissenschaftlich, pädagogisch ausgerichtetes und finanzielles Unterstützungssystem angeboten und eingefordert wird, welches zielgerichtet auf die Tätigkeit als Lehrer vorbereitet.

Für die Mentoren, die in dem Prozess im Schulalltag involviert sind, müssen Bedingungen geschaffen werden, die die anspruchsvolle Begleitung bei der Qualifizierung motivierend gestalten.

  1. Der Lehrernachwuchs an berufsbildenden Schulen muss zielgerichtet am individuellen Bedarf der BSZ aufgebaut werden. Bundesweite Kooperationen der Universitäten mit den Beruflichen Schulzentren sind längst überfällig. Einfache Werbung für das Lehramt an Berufsbildenden Schulen alleine reicht schon lange nicht mehr.

Berufsausbildung mit eingebundenem Abitur (DuBaS) muss einerseits gefördert und ausgebaut, andererseits aber auch bei Schülern und Eltern sowie den mittelständischen Unternehmen vor Ort bekannt gemacht werden. Der Studiengang für das Höhere Lehramt an berufsbildenden Schulen muss innerhalb der Lehrerausbildung entsprechend eine Aufwertung erfahren.

Das Studium muss praxisorientierter am Beruf ausgerichtet werden, sowohl in der Fachwissenschaft als auch in pädagogischer Hinsicht.

Die Studiengänge sind auf den Schuljahresrhythmus abzustimmen, um so das in ihnen vorhandene enorme Potenzial an die Schulen zu binden und folglich der Übergang ohne Wartezeiten erfolgen kann.

  1. Pflegeberufe: Umsetzung des Pflegeberufereformgesetzes – PflBRefG

Problemaufriss

Das Pflegeberufereformgesetz ist in Teilen im Juli 2017 in Kraft getreten. Der erste Ausbildungsjahrgang soll 2020 beginnen. Dieses Gesetz schafft die Grundlage der Zusammenführung der Berufe der Altenpflege, der Gesundheit- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung. Derzeit wird auf Bundesebene die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung erarbeitet.

Im Freistaat Sachsen liegt aktuell gemäß der Verordnung des SMK über die Zuständigkeiten für den Vollzug des Beruferechts in den bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberufen (Zuständigkeitsverordnung Gesundheitsfachberufe – GfbzuVO https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/10501/30140#p1 ) die Prüfungszuständigkeit

  • bei der Landesdirektion Sachsen (LDS) für die Berufe der Krankenpflege sowie der anderen bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberufe
  • bei der Sächsischen Bildungsagentur (SBA) für die Altenpflege
  • die Fachaufsicht nach § 3 SSG prinzipiell bei der SBA.

Mit der Umsetzung des Pflegeberufereformgesetzes und damit der Einführung einer einheitlichen generalistisch ausgerichteten Ausbildung ab 2020 liegt dann die Zuständigkeit bei zwei Behörden.

Lösungsvorschlag

Überführung der bisherigen Zuständigkeit für die Berufe der Gesundheit- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege von der Landesdirektion Sachsen an die Sächsische Bildungsagentur mit den entsprechenden Personalstellen. Die entsprechenden Aufgaben sind, wie alle dualen berufsbildendenden Aufgaben hoheitlich beim Freistaat an zu siedeln und die Delegierung muss rückgängig gemacht werden.

Begründung

Die unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Ausbildung (SBA) und den Prüfungsvollzug (SBA für die Altenpflege und die Krankenpflegehilfe, LDS für alle anderen Gesundheitsfachberufe) führen bereits jetzt zu Reibungspunkten zwischen den Behörden. Mit der Bündelung der Aufgaben in einer Behörde sind folgende Synergieeffekte zu erwarten:

  • Umsetzung einheitlicher Anforderungen an die Gestaltung von Prüfungsaufgaben und Bewertungskriterien
  • Aufwandsminimierung für die Schulen durch die Einrichtung von Aufgabenerstellungskommissionen
  • Abstimmungsminimierung mit der zuständigen Behörde für die Schulen, die in mehreren Gesundheitsfachberufen ausbilden
  • Sicherung eines einheitlichen und gleichwertigen Prüfungsrechts

Dirk Baumbach

  1. Vorsitzender