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Bildungspolitik

Handlungsprogramm „Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität im Freistaat Sachen“?

Und aus dem Sächsischen Landtag sprach eine Stimme zu mir: "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!", und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer...! Unbekannt


Nicht sehr groß, jedoch hoffnungsvoll und zuversichtlich waren die Erwartungen der sächsischen Lehrer als sich abzeichnete, dass die seit Jahren anwachsenden Probleme in der sächsischen Schullandschaft nicht mehr verdeckt werden können. Ein neuer Kultusminister, noch ein neuer Kultusminister und ein neuer Ministerpräsident ließen eine Art Aufbruchsstimmung bei den politisch Verantwortlichen vermuten. Das 14- seitige Papier (siehe Überschrift), welches nun präsentiert wurde, soll genau dies vermitteln. Jedoch:


Wenn man nach Fakten sucht, die Berufliche Bildung betreffen, wird man nach Ausklammerung von Prosa und Erläuterungen, denen man teilweise zustimmen kann, an nur wenigen Stellen fündig:
Lehrern bis zu 42 Jahren wird eine Verbeamtung angeboten und die EG 9 verschwindet für unsere Fachpraxislehrer zu Gunsten der EG10. Das sind positive Entwicklungen, die längst überfällig sind und vom LVBS seit vielen Jahren angemahnt werden, auch wenn der verbeamtete Kollege nach spätestens 5 Jahren die gleichen Nettobezüge erhalten wird, wie sein erfahrener Fachleiter in der EG14/6. Ob die EG10 stufengleich (z.B. EG 9/5 zu EG 10/5) zu bekommen sein wird, werden die Durchführungsbestimmungen zeigen.
Viele weitere Notwendigkeiten wie die Klassenleiterstunde oder Absenkung des von Kultusminister Rößler "...vorübergehend..." eingeführten Pflichtstundenmaßes, werden bereits vorab ausgeschlossen.
Siegessicher werden im Papier die bereits umgesetzten, angeblichen „...schrittweise[n] Verbesserungen...“ angeführt, die allesamt zumindest Fragen aufwerfen. So wird der Erhalt von Schulstandorten als Erfolg verkauft, nachdem alle BSZ zu 63 Schulkombinaten mit (im Mittel) 1000 oft jedoch erheblich mehr Schülern, manchmal 3 Außenstellen, viele kilometerweit voneinander entfernt und geleitet von Fachleitern, „fusioniert“ wurden.
Durch die „… Absenkung der Klassenobergrenze im Rahmen der integrativen Beschulung…“ soll „…eine zusätzliche Belastung der Lehrkräfte vermieden…“ werden. Wie bitte? Integrativschüler sollen meine Arbeit erleichtern, nur weil mir dafür die Klasse nicht bis zum letzten Stuhl voll besetzt wird? Dies als Vermeidung einer zusätzlichen Belastung zu verkaufen, grenzt an Verhöhnung.
Als weitere Wohltaten werden „… zusätzliche Anrechnungsstunden für die Ausbildung von Seiteneinsteigern …“ benannt, die ironischerweise oft jünger als 42 Jahre sind. Grübel, grübel, da war doch was...? Diese EINE Anrechnungsstunde je Fach (also insgesamt zwei) ist, wie praktizierende Mentoren bestätigen können, gerade bei Seiteneinsteigern nicht im Ansatz dem Bedarf entsprechend.
Ebenfalls in diesem Absatz findet man: “… für ältere Lehrkräfte… eine zusätzliche Altersermäßigung…“. Die Wahrheit? Die zusätzliche Altersermäßigung betrifft zwar die über 62-jährigen Kollegen, für die unter 62 –jährigen wurden sie jedoch in gleichem Maße gekürzt. Mathematisch sollte das, wenn überhaupt zu Gunsten der Lehrerschaft, auf eine Null hinauslaufen.
Dem Fass den Boden schlägt jedoch die Einrichtung von Beförderungsstellen und Zulagen für Lehrkräfte im Angestelltenverhältnis in der Größenordnung von 20 % aus! Lehrkräfte „dürfen“ sich dann, vermutlich bei Ihrem Schulleiter, zur Eingruppierung in die EG 14 bewerben. Gemeint sind hier Lehrer, die zusätzliche Aufgaben begleiten. Unattraktiv also für alle, die „NUR“ ihren Unterricht einfach richtig gut machen und deshalb gar keine Zeit für Zusatzaufgaben haben sowie die Kollegen über 60, die wegen der langen Wartezeit nie die Chance haben werden von der dann vermutlich sich ergebenden Rückstufung (z.B. von EG13/6 zur EG 14/5) wieder in ihre alte Entgeltstufe zu kommen. Alle anderen sollen auf ein Almosen aus dem nun bis 2023 jährlich zur Verfügung gestellten Prämienbudgets oder „Gesprächen mit der TdL…, … um möglichst vielen sächsischen Lehrkräften eine Zulage zu gewähren…“ hoffen.
Ein Kollege formulierte neulich: "Wir haben viele Jahre für Olympia trainiert, haben oft gewonnen und sollen uns nun erneut bewähren?"
Ich formuliere es so: den bei einigen Kollegen und wachsenden Teilen der so genannten Mittelschicht verlorenen gegangenen Glaube an eine gerechte und zukunftsgewandte Politik unserer derzeit verantwortlichen Volksvertreter kann man so jedenfalls nicht zurückgewinnen. Diese Menschen sind sich mit Blick auf 2019 sicher: "Wir haben verstanden."


Oliver Bergner [16.03.18]
Stellvertretender Vorsitzender