Am 27.05. 2019 fand in der Geschäftsstelle des Sächsischen Beamtenbundes (SBB) eine Informationsveranstaltung und Beratung zum Thema Fachkräfteallianz Sachsen statt.

Eingeladen hatte das Mitglied der Landesleitung des SBB Klaus-Peter Schölzke.

Zwei Punkte bildeten die Tagesordnung:

- Bericht über die Beschlüsse der Fachkräfteallianz und

- Berichte über die Ergebnisse der Arbeitsgruppen bzw. -kreise der Fachkräfteallianz.

Besonderes Augenmerk wurde in dieser Veranstaltung auf den Arbeitskreis Bildung und auf den Arbeitskreis Beschäftigung von älteren Menschen gelegt.

 

Ausgangspunkt ist folgendes:

Auf der Grundlage des Koalitionsvertrages der CDU/SPD in Sachsen soll ein Dialog zwischen dem Freistaat, den führenden Wirtschaftsverbänden und den maßgeblichen Gewerkschaften zu Lösungsansätzen führen, durch gute Arbeit für Sachsen dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen.“

Die Fachkräfteallianz hat 2016 eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, um ein Umdenken und eine Weiterentwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu organisieren.

Das Motto lautet:

Fachkräfte gewinnen. Fachkräfte halten. Sachsens Zukunft sichern.

Sechs Handlungsfelder stellen sechs priorisierte Ziele dar, die weiter untergliedert sind:

-Fachkräftesicherung braucht eine bessere Erschließung der vorhandenen Potenziale, kein Talent darf verloren gehen

- Fachkräftesicherung erfordert berufliche Eingliederung von Migrantinnen und Migranten und qualifizierte Zuwanderung

- Fachkräftesicherung braucht eine moderne Schul- und Lernkultur: Qualität und Durchlässigkeit

- Fachkräftesicherung braucht eine Stärkung und Aufwertung der dualen Ausbildung

- Fachkräftesicherung braucht eine weitere Verbesserung der Attraktivität der Arbeitsbedingungen

- Fachkräftesicherung heißt, die Chancen der Digitalisierung nutzen

Der SBB ist Mitglied dieser Fachkräfteallianz und somit diente die Veranstaltung der Information der Partner des SBB, also auch unserem Verband LVBS zum Arbeitsstand dieser Fachkräfteallianz.

Klaus–Peter Schölzke lieferte deshalb den obengenannten Bericht.

Dabei wurde der erste Punkt genauer definiert.

Die Erschließung des Fachkräftepotenzials ist vor allem auf drei Gruppen gerichtet, die stärker in den Fokus gestellt werden sollen.

Das sind junge Menschen, Frauen und die älteren Menschen.

Die umfangreichen Ansätze zur Entwicklung bzw. Förderung können hier nur beispielhaft dargestellt werden. Für junge Menschen wird als Ziel herausgestellt,:

„Sie erhalten die individuell höchst mögliche Schulbildung, erfahren in intensiver Zusammenarbeit zwischen Schule und Unternehmen die Vielfalt der beruflichen Werdegänge und bekommen die Möglichkeit einer beruflichen Ausbildung mit qualifiziertem Abschluss“

Ich denke schon an diesem Satz ist abzulesen, dass es ein gesamtgesellschaftliches Umdenken geben muss, damit tatsächlich „kein Talent verloren geht“.

Hier muss man die Verbindung zum Punkt „moderne Schul- und Lernkultur“ herstellen, wenn dort gesagt wird:

„Das sächsische Schulsystem wird qualitativ weiter verbessert, um allen Kindern und Jugendlichen optimale Ausgangsbedingungen zu ermöglichen. Schulen und Lehrkräfte werden noch besser in die Lage versetzt, Schülerinnen und Schüler individuell so zu fördern, dass sie einen regulären Schulabschluss, sowie die notwendige Ausbildungsreife erreichen können.“

In der Diskussionsrunde verwies ich, Jürgen Fischer darauf, dass das nur zu erreichen ist, wenn diese Zielstellung materiell und personell untersetzt wird. Als besondere Herausforderung in diesem Zusammenhang gilt hier die organisatorische und inhaltliche Entwicklung von beruflichen Bildungsgängen. Hier im Besonderen berufsvorbereitende Maßnahmen in der Berufsschule, wie z. B.das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Ganz konkret muss geklärt werden, wie die Überlastung der dort unterrichtenden Lehrer eingegrenzt werden kann und wie die Motivation der Schüler gefördert werden kann. Ansätze sind definitiv kleinere Klassen, Erhöhung des Praxisanteils, die Möglichkeit, mehrere Lehrer in einer Klasse gleichzeitig einzusetzen und die stärkere Einbindung und damit Einstellung von Sozialpädagogen. Das geforderte Umdenken beginnt genau hier.

Wenn wir tatsächlich „jedes Talent“ mitnehmen wollen, dann müssen auch neue Wege beschritten werden. An diesem Beispiel soll vor allem gezeigt werden, dass die Zielstellung richtig und auch nachvollziehbar ist, es aber schnellstens gelingen muss auch in der Praxis Möglichkeiten der Umsetzung zu finden und hier vor allem in täglichen Abläufen.

Für uns als LVBS ist natürlich auch der zweite Aspekt „Frauen besser in das Erwerbsleben einbinden“ ein sehr wesentlicher.

Laut Allianz ist die Beschäftigungsquote von Frauen in Sachsen mit 59%bundesweit am höchsten. Reserven werden im hohen Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen gesehen.“ Um die Erwerbsquote von Frauen weiter zu erhöhen, muss Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter verbessert werden.“

Hier machte ich deutlich, dass die rechtlichen Regelungen wieder bzw. stärker in der Praxis angewendet und umgesetzt werden müssen. Auch hier am Beispiel der Frauenförderpläne die oft ein notwendiges Übel und nicht Arbeits- und Organisationsgrundlage zur Umsetzung des oben genannten Zieles sind.

Die Flexibilität in der Wahl des Arbeitsortes wird sehr oft gefordert, anstatt zu organisieren, dass junge Mütter wohnortnahe Arbeitsorte haben. Dabei ist klar, dass unter anderem die Verwaltung auch personelle Möglichkeiten für diesen organisatorischen Mehraufwand bereitgestellt bekommen muss.

Beim Punkt „Potenzial Älterer besser nutzen“ wird folgendes auszugsweise widergegeben:

„Das Potenzial älterer Beschäftigter gilt es zukünftig noch stärker als bisher zu nutzen. Für die Unternehmen stellen sich u.a. Fragen der Ergonomie, altersgerechter Arbeitsplätze, -aufgaben, -zeiten, -organisation und Gestaltung des Arbeitsumfeldes sowie der gezielten Weiterqualifizierung. Zugleich muss ein verbesserter rechtlicher Rahmen für flexiblere Übergänge vom Erwerbsleben in den Ruhestand entwickelt werden. dabei spielt die Gesunderhaltung von Älteren am Arbeitsplatz zur Sicherung ihrer Beschäftigungsfähigkeit eine entscheidende Rolle.“

Gleichzeitig wird auf den Erfahrungsschatz der Älteren verwiesen, der in einen Wissenstransfer münden soll.

„Der Prozess des Wissenstransfers und des Nachfolgemanagements muss gemeinsam gestaltet werden. Denkbar sind in diesem Zusammenhang beispielsweise Tandemlösungen, Mentoring-Modelle, informelles Lernen oder auch altersgemischte Teamarbeit.“

In unserem Bereich der Berufsschulen wird über z. B. Altersermäßigungsstunden und Bindungszulagen einiges getan. Gerade letzteres bewährt sich nicht immer in der Praxis, weil die Regeln flexibel sind und deshalb auch ein Ungerechtigkeitsempfinden entstehen kann. Für den Schatz der Organisationsformen und -inhalte und Möglichkeiten der Unterrichtsführung in Lernfeldern ergeben sich aus den oben genannten Vorstellungen viele Ansatzmöglichkeiten. Dazu muss allerdings das geforderte Umdenken durchgesetzt werden. Lehrer sind aus- bzw. überlastet. Außerdem ist die Gruppe der 45 bis 55jährigen im Generationsbaum der Schulen momentan schwach vertreten.

Wenn hier also etwas bewegt werden soll, muss es zügig umgesetzt werden, weil viele jetzt oder in Kürze in Rente gehen. Dazu müssen vor allem zeitliche Voraussetzungen geschaffen werden. „Nebenbei“ können das die älteren und auch die jüngeren Kolleginnen und Kollegen nicht mehr schaffen.

In der Veranstaltung ging es natürlich nicht vorrangig um Berufsschule, die Fachkräfteallianz bezieht sich ja auf alle Bereiche. Viele Punkte wurden angesprochen, die ich aus Gründen der Übersichtlichkeit hier nicht abbilden möchte, die aber duraus in anderen Bereichen eine sehr höhe Priorität haben. Von denen möchte ich nur noch einen hervorheben.

So wird es in absehbarer Zeit sicher keine Altersteilzeitregelungen geben können, weil diese den Arbeitskräftemangel noch verschärfen würden.

Aber eine besondere Teilzeit im Alter ist gar kein Widerspruch, denn es gibt jetzt schon ein Modell, wo Ältere (ab 59 Jahren) die Arbeitsleistung auf 80%senken aber 90% des Lohnes bekommen. So kann versucht werden, Beschäftigte im Arbeitsprozess zu halten. Diese Projekt wird in der Praxis bereits umgesetzt.

Wir werden weiter den Prozess der Fachkräfteallianz begleiten und unterstützen, um den Berufsbildungsbereich zu stärken und zu sichern. Die Hoffnung, dass es tatsächlich ein Umdenken hin zum Fördern und Gestalten und weg vom Erzwingen geben kann, treibt uns dazu.

Jürgen Fischer

  1. Vorsitzender