„Bis zum Schuljahr 2019/2020 werden ca. 20 Prozent derPlicka1 Lehrerinnen und Lehrer an den beruflichen Schulen planmäßig in den Ruhestand gehen. Die Zahl derer, die nach erfolgreichem Lehramtsstudium in die Berufsschulen drängt, ist überschaubar. Oder sie bewerben sich mit Fachkombinationen, für die derzeit kein oder nur geringer Bedarf besteht. Die Lehrämter in den „klassischen" Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik werden kaum noch studiert und es werden nur einzelne Referendare ausgebildet. Wie soll es also weitergehen mit den sächsischen Berufsschulen?". Mit diesen Worten eröffnete am 30. November 2013 im BSZ für Technik „G. A. Zeuner" Dresden der Landesvorsitzende, Reinhard Plicka, den Sächsischen Berufsschultag des LVBS Sachsen e. V.

Zur Diskussion von Standpunkten und Konzepten hatte der LVBS Staatsministerin Brunhild Kurth, und die Abgeordneten des Sächsischen Landtages Lothar Bienst (Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion), Norbert Bläsner (Bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion), Stefan Brangs (Arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion) und Thomas Kind (Arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke) eingeladen.

Kurth1

 

Staatsministerin Kurth würdigte in ihrer Rede die Leistungen der sächsischen Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer. „Sie leisten in Ihrem Beruf Großartiges. Sie bringen eine so heterogene Schülerschaft wie in keiner anderen Schulart zum Abschluss. Für Ihren großen Einsatz für die Schülerinnen und Schüler und das sächsische Schulwesen danke ich Ihnen herzlich! Und ich verbinde diesen Dank zugleich mit der Bitte, für Ihren, für unseren Beruf zu werben. Er ist mitunter sehr anstrengend, er ist aber doch immer auch Erfüllung", so Ministerin Kurth. Sie unterstrich, dass das duale Ausbildungssystem das Fundament der beruflichen Bildung in Deutschland ist und bleibt. Berufsbefähigung brauche Theorie, das stehe außer Frage. Aber sie braucht vor allen Dingen Praxis.

Ein in Zukunft knapper werdendes Potential an Erwerbspersonen erfordere ein effizientes Bildungssystem:

  • mit passgenauen Angeboten zur beruflichen Erstausbildung,
  • mit attraktiven Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung
  • und der realistischen Chance auf den Erwerb höherer Bildungs- und Schulabschlüsse.

Die Beruflichen Schulzentren sind in diesem Feld mit einer Vielzahl von Angeboten gut aufgestellt. Zugleich sind unsere Beruflichen Schulzentren als berufliche Gymnasien und Fachoberschulen Garanten guter studienqualifizierender Bildungsgänge. So wurden 2011 in Sachsen ca. 45% aller Hochschulzugangsberechtigungen an Beruflichen Schulzentren erworben.

Diese Zahl macht mehr als eindrücklich deutlich, dass wir in Sachsen zwei gleichberechtigte Wege zum Abitur haben.

Einen über das Allgemeinbildende Gymnasium – sozusagen die Autobahn. Und einen Weg über die Oberschule und das Berufliche Gymnasium – sozusagen die Bundesstraße. 

Daneben werden auch die qualitativen Bildungsleistungen der beruflichen Schulen im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) nachvollziehbar dokumentiert und anerkannt. Am 1. Mai 2013 ist der von Bund und Ländern unterzeichnete Gemeinsame Beschluss zur Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen in Kraft getreten.

Ausgangspunkt ist der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), der die Vergleichbarkeit der Abschlüsse in Europa stärken und die Mobilität verbessern soll. Mit der Zuordnung der Fachschulabschlüsse auf Niveau 6 des DQR wird hier der beruflichen Fortbildung an Fachschulen sogar eine Ausbildungsqualität auf Hochschulniveau attestiert.

Der DQR macht darüber hinaus aber auch noch folgendes deutlich: In keinem anderen Bildungsbereich wird ein derart breites und differenziertes Bildungsangebot verwirklicht wie im beruflichen Schulwesen.

Mit der Grundphilosophie „Kein Abschluss ohne Anschluss" schaffen die Beruflichen Schulzentren die Basis für individuelle Bildungsbiografien. Damit leistet die berufliche Bildung in Deutschland und somit auch in Sachsen einen entscheidenden Beitrag für die Durchlässigkeit und damit letztlich für die Chancengerechtigkeit des Bildungssystems insgesamt.

Die Bandbreite an Menschen und Angeboten, die in den Beruflichen Schulzentren bedient wird, ist eine enorme Herausforderung, die es zu meistern gilt. Ich bin stolz auf unsere Berufsschullehrerinnen und -lehrer, die sich dieser Herausforderung stellen und vor allen Dingen tagtäglich meistern. Andernfalls wäre unser duales Ausbildungssystem national und international
nicht so anerkannt.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Eileen Mägel moderiert wurde, nahm neben Ministerin Brunhild Kurth und den Vertretern der Landtagsfraktionen Dirk Baumbach (LVBS-Vorstandsmitglied und Lehrer am BSZ Technik und Wirtschaft Bautzen) teil.Podium1

Dirk Baumbach unterstrich, dass die Personaldecke an den BSZ viel zu dünn sei. Krankheitsbedingte Ausfälle können mit eigenen Kräften nicht mehr kompensiert werden und führen damit zwangsläufig zu Unterrichtsausfall.

Um dem Fachkräftebedarf der Wirtschaft in den kommenden Jahren auch weiterhin durch fundierte berufliche Bildung Rechnung zu tragen, müssen Lösungen in der Frage der Lehrergewinnung gefunden werden.

Kurzfristig, z. B. über die Einstellung von Seiteneinsteigern, weil eine originäre Berufsschullehrerausbildung mindestens sechs Jahre dauert oder aber durch zielgerichtete Weiterbildung solcher
Kolleginnen und Kollegen, deren ursprüngliche Einsatzbereiche weggefallen sind, z. B. die Lehrer für Fachpraxis der geschlossenen Berufsfachschulen. Neben der Sicherung offener Unterrichtseinheiten könnte ihnen so auch die Sorge um ihre berufliche Existenz genommen und eine neue Perspektive geboten werden.

Langfristig, brauchen wir nun endlich ein Personalentwicklungskonzept für die beruflichen Schulen, das die Besonderheiten der Fachkombinationen unserer Schulart berücksichtigt und, darauf aufbauend, eine am Bedarf orientierte Ausbildung der Berufsschullehrer.

Einen zweiten Schwerpunkt der Diskussion bildete die Schulnetzplanung. Die Landkreise und Kreisfreien Städte widmen sich der Schulnetzplanung allerdings mit unterschiedlichem Engagement und differenziertem Erfolg. Um das berufliche Bildungsangebot an allen 63 Beruflichen Schulzentren aufrechterhalten zu können, ist es unabdingbar, dass die Schulträger, also die Landkreise untereinander und die Landkreise mit den kreisfreien Städten, kooperieren und einvernehmliche Lösungen finden. Lothar Bienst (CDU-Fraktion) kündigte dazu eine Initiative auf der Ebene des Sächsischen Landkreistages an.

Der Landesvorstand dankt dem Schulleiter des BSZ für Technik „G. A. Zeuner", Herrn Dr. Clemens, für die Möglichkeit, den Sächsischen Berufsschultag 2013 in seinem Hause durchführen zu können.

(LV)