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Ausschuss Junge Berufsschullehrer

Es war einmal ... ein modernes Märchen

Das Märchen vom König, dem bösen Finanzminister und dem sächsischen Lehrervolk

Jede Ähnlichkeiten mit verstorbenen oder lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt!

Autor: bekannt - zum Herunterladen

Es war einmal ein kleines Königreich, das hatte Schlösser und Burgen und ein Wahlvolk und natürlich einen König. Die Herde der Wähler nannten ihn liebevoll Tilli, denn niemand konnte ihm böse sein. Regierte er doch mit ruhiger Hand und butterweichem Blick, um das Erbe seines Vorgängers nicht zu gefährden. Damals, vor langer, langer Zeit, als sich das Volk, ausgemerkelt durch Stillstand und Erstarrung aufmachte Kaiser Erich zu stürzen, eilte König Kurt aus dem tiefen Westen herbei, um die Heimat seiner Altforderen zu retten und ein Königreich zu errichten. Seinem erlauchten Gutdünken nach unnötige Beamte eines Königreiches, wurden erst gar nicht angestellt. So vergab er die Zukunft des Landes, das Unterrichten der Burschen und Mägdelein in sinnvollen Dingen, an Angestellte, deren Gehalt schlechter sein würde und die später als Rentner mit den Almosen der Kaiserin ihr Dasein fristen sollten und somit der Kasse des Königs nicht unnötig zur Last fallen.

Des Königs Tillis Lieblingsbeschäftigung war es Eier zu bemalen. Und über seine Malerei vergaß er ganz dass Regieren.
So kam es, dass sich eines Tages der böse Finanzminister aufmachte, das Regieren zu übernehmen. Auch er kam aus dem fernen Westen, wo er einen Doktortitel erlangte, indem er sich mit der Konstruktion eines Ultraschallzerstäubungsgerätes befasste. Seit er in die Dienste eines Großkonzerns für Parfüm und Haarpflegeprodukte namens Wella trat, verstand er es durch Wohlgeruch und eine unzerstörbare LEGO- Frisur aufzufallen. Der Sage nach, belastete sich Georg beim Bewirtschaften einer großen königlichen Lehranstalt im neuen Königreich auch nicht unnötig oft mit des Wirtschaftens störenden Einflüssen, wie Gewissen oder des angestellten Pöbels nahe Gedankenspiele.
Auch König Tilli blieb dies nicht verborgen. So sagte er eines Tages: "Georg, ich bitte Dich meine Reichtümer zu bewachen und zu mehren, damit alle im Land mich ob meiner Klugheit preisen und mir huldigen zu jeder Gelegenheit".
Georg war Meister im sparen und als er sich des Königs Gunst sicher wusste, sparte er was das Zeug hält. Der Hofstaat wurde freilich gut versorgt jedoch, ging es darum das schöne viele Geld für das Wahlvolk auszugeben guckte er so grimmig, dass (nunmehr) SEINE Minister bettelten und flehten bis er ihnen einige Krumen zuwarf, die sogleich mit großer Freude dem Wahlvolk weiterverkauft wurden. Schließlich wollte man Wahlen gewinnen und den Frieden im kleinen Königreich bewahren. Das in jedem Jahr hunderte Millionen in den tiefen Westen flossen, um ein grünes Königreich mit riesigen Geldquellen für den Kauf der hoch verschuldeten Bank des kleinen Königreichs für einen symbolischen Taler zu "entschädigen", verschwieg er geflissentlich. Konnte doch bis heute nicht ein einziger Schuldiger gefunden werden, der für die verzockten Staatsmilliarden gefedert, geteert, oder auch nur mit einem bösen Blick vom König bestraft wurde.

Es wurde derart gespart, dass die Hecken um das Schloss herum immer höher und die Sümpfe davor immer tiefer wurden.
Aus Arbeitsstellen für Menschen wurden "Vollzeitadäquate" und die Tätigkeiten der Lehrer im Lande, die ob ihrer Leistungen landauf, landab gerühmt wurden, erschienen forthin nur noch als "Arbeitsvermögen" auf dem Papier. Sie wurden ob ihrer Faulheit und Raffgier immer wieder entlarvt. Trotzdem bettelten sie frech um Lebensbedingungen, die dem Müßiggang im Schlaraffenland glichen. Vergleichbare Entlohnung und gleiche Arbeitszeiten wie die Bediensteten anderer Königreiche - das blieb nur einem kleinen Teil des Hofstaates gegeben, schufteten diese doch tagtäglich wie Galeerensträflinge in einem finsteren Haus, genannt Landtag, unter unmenschlichsten Bedingungen bis hin zur Nahtoderschöpfung.
Zahlenkolonnen wurden also über viele Jahre hin und her gerechnet. Neue Worte wurden erfunden um "Schüleraufwuchs" und "Altersabgänge" gegeneinander abwägen zu können. Tatsachen wurden durch Wunschdenken ersetzt und wohlfeiles Verhalten durch die Hoffnung auf bessere Zeiten befördert. Jedoch, auch Gutes gab es zu berichten. Des Sparens störende Einflüsse, wie die eigentlich sinnvolle Betrachtung von Fachlichkeit im Lehrervolk, nicht eingetretene Synergieeffekte bei der Schaffung von Schulkombinaten und eine immer größer werdende Aufgabenfülle, hervorgerufen durch Einsparungen bei der Anzahl der Bediensteten bei gleichzeitigem Anwachsen der Herausforderungen, konnten nun dank der inzwischen aufgekommenen Computertechnik leicht mit dem druck auf die Taste "Entf", verbunden mit einem Achselzucken und der Bemerkung "...wen kümmert's..." besser ignoriert werden. Schließlich wollte ein jeder im Königreich dem Finanzminister gefallen, um nicht seinem bösen Blick anheim zu fallen.
Dem König gefiel's. Wurde er doch von anderen Königen ob seiner Sparsamkeit allerorten gelobt und gehört das kleine Königreich nun zu den reichsten im ganzen Kaiserreich.

Und das einst so stolze Lehrervolk?
Es schimpfte und meckerte während der Pausen im kleinen Kreise und hinter vor gehaltener Hand: "...die Gewerkschaften müssten doch mal und die Gewerkschaften sollten doch mal; wieso machen die Gewerkschaften eigentlich nicht? Wir habe zwar lange gelernt oder sogar studiert, aber es ist einfach nicht zu verstehen, weshalb die Gewerkschaften nicht endlich..."
Ging es jedoch darum Gesicht zu zeigen und bei Regen, klirrender Kälte oder großer Hitze vor dem Palast des Königs den Ministern und deren Gefolgschaft die Meinung zu geigen, so versteckten sich die Meisten lieber hinter den schmalen Rücken ihrer Schüler. Wichtige Klassenarbeiten müssten geschrieben, die ach so wichtigen Lehrinhalte genau DIESER Unterrichtsstunde vermittelt oder Prüfungen abgehalten werden, die unmöglich verlegt werden könnten. Und im Übrigen hätten ja schon genug Unterrichtsstunden wegen dahinsiechender Kollegen nicht stattgefunden, und so weiter und so fort....

Also, was ist nun mit dem einst so stolzen Lehrervolk?
Wenn es nicht gestorben ist, so schimpft, meckert, arbeitet und huldigt es seinem König heute noch.
Dem König gefällt's.