von Oliver Bergner

Gemeinsame Konferenz BLBS – VLW im Rahmen der Didakta 2016 in Köln

Am 19. und 20.02.2016 trafen sich die Vertreter Lehrerbildungsausschüsse vieler Landesverbände, um ein Thema zu bearbeiten, welches in der momentanen Diskussion noch keinen adäquaten Raum einnimmt. Über zwei Impulsreferate wurden die Interessenten wissenschaftlich fundiert über den derzeitigen Stand des Begriffsverständnisses und der Lehrerbildung in diesem Bereich informiert.

Berufliche Arbeit 4.0

Prof. Dr. Martin Lang, TU Duisburg-Essen

Industrie 4.0 bezeichnet die  aktuelle industrielle Revolution. Es bilden sich cyberphysikalische Systeme. Gemeint ist: physikalische Objekte werden mit IT gekoppelt, also vom Fitnessarmband bis zu eigenständig kommunizierenden Fertigungssystemen. Auch spricht man von m2m (Machine to Machine).

Ausbildung Höheres Lehramt an Berufsbildenden Schulen

Erstausbildung

Studiendauer: 10 Semester

Studium: möglich an den TU Dresden und Uni Leipzig (Wipäd)

Fächer: Dresden , Leipzig

Abschluss: Erstes Staatsexamen

Referendariat

Dauer: 12 Monate

Beginn: Februar und August

Abschluss: Zweites Staatsexamen

Unterrichtsverpflichtung: in den ersten 8 Wochen 6 Unterrichtsstunden (Ustd.)/Woche begleiteter Unterricht, danach 12 Ustd./Woche eigenverantwortlich

Prüfungsordnungen:  http://www.lehrerbildung.sachsen.de/3612.htm

Entlohnung: ca. 800€ ohne Kind, ca. 1000€ bei einem Kind (Nettowerte)

Kritische Würdigung

Kürzeste Ausbildungszeit im Referendariat bundesweit. Anerkennung und Anstellungschancen in den anderen Bundesländern unbedingt vorab prüfen!

Die Nachqualifizierung von sog. Seiteneinsteigern erfolgt berufsbegleitend oft unter sehr ungünstigen Bedingungen und hat nicht immer finanzielle Auswirkungen.

 

Einstellungsverfahren

Einstellungen erfolgen durch Bewerbung in einem Regionalschulamt. Der eigentliche Arbeitsvertrag wird zwischen dem Arbeitnehmer und dem Kultusministerium geschlossen.

Viele Lehrer werden befristet eingestellt. Einigen wird eine Festanstellung, nach einem oder zwei Jahren, vorab mündlich in Aussicht gestellt. Dieses Verfahren funktionierte bisher meist.

Einige Lehrer werden an Schulen mit freien Stellen eingestellt, jedoch sofort teilweise oder komplett an andere Standorte abgeordnet – manchmal über Schularten hinweg.

 

Arbeitsbedingungen

Entlohnung: Angestellter nach EG13 TV-L (Ost) (Endstufe bei ca. 2800€ netto)
                        Tarifrechner:  http://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/lehrer/

                        Ohne geforderte (pädagogische) Abschlüsse EG 9 bis EG 12 möglich

Eine gezahlte Jahressonderzahlung fällt vergleichsweise gering aus (ca. 1000€)

Prämien werden nur sporadisch im Abstand von mehreren Jahren vom Kultusministerium freigegeben. Oft wird die Gesamtsumme ungerecht auf alle Schulen verteilt (z.B. EIN Lehrer pro Schule). Die Vergabepraxis wird unterschiedlich gehandhabt.

Wochenpflichtstundenzahl: 26 Unterrichtsstunden oder mehr (Sport, Werkstattlehrer)

                                               Teilzeitarbeit als jährliche oder dauerhafte Lösung ist                                                       momentan möglich

Klassengröße

Klassenteiler theoretisch bei 28. Praktisch muss eine Klasse jedoch aus mind. 16 Schülern bestehen. Klassengrößen mit 30 oder mehr sind deshalb, jedoch insbesondere wegen einem Mangel von bestimmten Fachlehren Praxis.

In den nächsten Jahren ist mit einem Anstieg der Schülerzahlen zur rechnen.

Sächliche Ausstattung

Nahezu alle Beruflichen Schulzentren sind modern ausgestattet, in den vergangenen Jahren komplett saniert und teilweise auch erweitert. Die technische Ausstattung ist in aller Regel modern und umfangreich.

Viele Schulen verfügen über Vorbereitungsräume für 2 bis mehrere Kollegen.

Anrechnungsstunden für Sonderaufgaben

Abminderungsstunden für Klassenleitertätigkeiten gibt es nicht. Für  sonstige Tätigkeiten wie AG-Betreuung, Qualitätsmanagement, Fachleitertätigkeiten usw. verfügt die Schule über einen eng begrenzten Pool an Stunden, der von der Schulgröße abhängig ist und nach Vorstellung in der Gesamtlehrerkonferenz vergeben wird. Die Summe dieser Stunden kann als immer völlig unzureichend eingeschätzt werden.

Schuljahr

An vielen Schulen finden regelmäßig Fachkonferenzen (i.d.R. nach der 8. Unterrichtsstunde) statt. Auch mind. 2 Gesamtlehrerkonferenzen pro Halbjahr sind Pflicht.

Arbeitszeit

An den meisten beruflichen Schulen beginnt das Unterrichtsjahr für Lehrer eine Woche vor dem Schuljahresbeginn mit einer Vorbereitungswoche. Hier finden meist täglich Beratungen und Konferenzen statt. An einigen Schulen sind auch Nachbereitungstage am Ende des Schuljahresüblich. Obwohl es in den Ferien offiziell keine Präsenzpflicht während der Tage ohne beantragten Jahresurlaub gibt, erwarten einige Schulleitungen einzelne oder alle Kollegen mindestens an einem Tag, vereinzelt sogar an allen Ferientagen im Schulgebäude. Ein Nichtbefolgen wird dann manchmal subtlil geahndet.

Fortbildung

Es besteht ein Anrecht auf 10 Tage Fortbildung pro Jahr unter Fortlauf der Entlohnung. In der Regel werden Reisekosten erstattet, allerdings zunehmend restriktiver. Gern benutzte Formulierung zur Minderung der Kostenerstattung „Teilweise dienstliches Interesse“.

 

Renteneintritt

Das Renteneintrittsalter richtet sich nach den Regelungen für Angestellte also zukünftig mit 67 Jahren. Die neue Regelung (45 Arbeitsjahre) kann meist nicht erreicht werden. Der Vorruhestand ist meist mit finanziellen Einbußen bei der Rentenhöhe verbunden (0,3 %  pro Monat).

Die große Differenz der Rente im Vergleich zur Pension von angestellten Lehrern soll durch eine Zusatzversicherung (https://www.vbl.de/) gemindert werden. Sie bleibt jedoch erheblich.

 

 

FAQ

Als Beamter erhalte ich Pension, als Angestellter bekomme ich Rente - wie stellt sich der Unterschied dar?


Angestellte Lehrer gehen am Ende Ihres Arbeitslebens in Rente. Der Unterschied zur Pension eines Beamten ist erheblich. Sehr deutlich wird dies in dem Beitrag von Die Welt:

So viel mehr kassieren Beamte im Ruhestand

Pensionierte Beamte stehen nach dem Arbeitsleben wesentlich besser da als normale Rentner. Das allein ist nichts Neues. Überraschend ist allerdings die Höhe der Ungleichheit. Unter dem Strich fällt die Pension fast viermal so hoch aus wie die Rente. WELT ONLINE zeigt die Einzelheiten.

Pensionäre sind gegenüber Rentnern noch immer üppig versorgt. Ein Vergleich der "Bild"-Zeitung zeigt, dass ein ehemaliger Beamter nach 41 Jahren Arbeitszeit etwa viermal soviel rausbekommt wie ein normaler Angestellter. Rein statistisch haben Pensionäre und Rentner ab Beginn des Ruhestandes noch 16,5 Jahre zu leben. Der Pensionär würde bei gleichbleibendem Ruhegehalt insgesamt 557.568 Euro Ruhegehalt bekommen – ohne auch nur einen Cent in eine Altersversorgung gesteckt zu haben. Der Angestellte würde dagegen nach Abzug seiner Beiträge in dieser Zeit nur 130.778 Euro ausgezahlt bekommen. Das Beispiel zeigt zwei Personen, einen Rentner und einen Pensionär, die beide im November 1965 ihre Laufbahn begonnen haben und im August 2007 in den Ruhestand gegangen sind. Bei dem Beamten handelt es sich in dem Beispiel um einen Lehrer aus Baden-Württemberg. Sein letztes Gehalt betrug 3723,16 Euro. Nach Berechnungen des baden-württembergischen Finanzministeriums bekommt er 2816 Euro an Pension im Monat. Er zahlt 158 Euro an Einkommenssteuer und Solidaritätszuschlag. Der Angestellte bekommt bei gleichem Einkommensverlauf und Renteneintritt eine Rente von 1674,57 Euro. Zwar muss er 56 Prozent seiner Rente versteuern, wegen der Grundfreibeträge fallen jedoch keine Steuerzahlungen an. Für die Rente hat der Angestellte während seines Arbeitslebens nach Berechnungen der Rentenversicherung Baden-Württemberg 200.787,39 Euro an Beiträgen in die Rentenkasse gezahlt.

phj

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Quelle: http://www.welt.de/finanzen/article2326314/So-viel-mehr-kassieren-Beamte-im-Ruhestand.html

 


 

 

 

 

 

Ein Bericht von Kathleen Dilg und Oliver Bergner

Nachdem nicht nur der LVBS seit über 10 Jahren vor dem nun einsetzenden Lehrermangel gewarnt hat, wurde vom Kultusministerium eine Imagekampagne gestartet. Unter dem Titel: „Lehrer werden in Sachsen. Aus Überzeugung“ fand im Rahmen dessen am 15. Januar 2014 die Auftaktveranstaltung für eine Reihe von Informations- und Austauschveranstaltung in Kooperation mit dem ZLSB statt.

Als erste der Universitätsstandorte, der zurzeit immerhin 3500 Lehrer ausbildet, kamen an die TU Dresden neben der Kultusministerin Frau Kurth auch der Direktor der SBA, Herr Belafi, die Direktorin des SBI, Frau Dr. Stenke und die Referatsleiterin Lehrerausbildung am SMK Frau Zeller. Diese, sowie der Studierendenvertreter Herr Jugel, stellten sich nach einem Vortrag von Frau Ministerin und einem Coreferat von Herrn Prof. Gehrmann (Geschäftsführender Direktor des ZLSB) den Fragen der Studenten.
Um es vorweg zu nehmen:

Vom 22./23.02.2013 trafen sich die Vorsitzenden der Lehrerbildungsausschüsse der Verbände des VLW in Fulda. Besonders interessant war ein Vortrag von Frau Prof. Dr. Evelyne Wittmann (Uni Bamberg) zum Thema:

Praxissemester in den Bundesländern
Seit jeher steht der Praxisbezug der ersten Phase der Lehrerausbildung in der Kritik. Im Zuge der Umstellung der Lehramtsprüfungsordnungen auf Ba/Ma (Bologna-Prozess) und der in nahezu allen Bundesländern eingeführten Verkürzung der Referendarzeit, sind einige Bundesländer dazu übergegangen das zu tun, was scheinbar auf der Hand liegt: Studenten in den Unterricht! Je mehr, umso besser!

Hier kann man Lehramt studieren